Untergrundvorbereitung

Untergrundvorbereitung

Untergrundvorbereitung

Die hochwertigsten Fliesen und der beste Fliesenkleber können unter Umständen durch einen nicht trockenen, nicht tragfesten oder nicht trennmittelfreien Untergrund irreparable Schäden davontragen. Eine adäquate Untergrundvorbereitung ist daher die Basis für eine erfolgreiche, lange Freude bereitende Verlegung.

Sind bei der Untergrundprüfung ein oder mehrere Mängel zutage getreten, so muss der Untergrund beispielsweise mit einem der im Folgenden aufgeführten Verfahren behandelt werden. ???An dieser Stelle ist es nicht möglich, den Mängeln eindeutig ein für sie optimales Verfahren zuzuordnen. Möglicherweise bringen bei einem Mangel mehrere Arten der Untergrundvorbereitung das gewünschte Ergebnis. Es ist je nach Baustellensituation, verfügbarer Zeit oder Ausmaß des Schadens eines oder mehrere der Verfahren zu wählen.??? Generell lassen sich drei unterschiedliche Bereiche voneinander abgrenzen: Abtragen, Ertüchtigen und Aufbauen des Untergrundes. Beim Abtragen werden mögliche Trennschichten und schwache Untergründe mechanisch oder chemisch gelöst und abgetragen. Dies gilt beispielsweise für Sinter-, Sand- oder Staubschichten. Beim Ertüchtigen wird der bestehende Untergrund behandelt, so dass der Untergrund für die weiteren Schichten geeignet ist. Beim Aufbauen werden zusätzlich haftungsfreundliche und flüssige Substanzen aufgetragen, um einen stabilisierten und geebneten Verlegeuntergrund herzustellen. 

Abtragen

Porentiefes Absaugen

Nach jeglicher mechanischen Bodenbehandlung ist das gründliche Absaugen mit einem Industriestaubsauger durchzuführen. Der unvermeidlich verbleibende geringe Reststaub ist mit einer geeigneten Grundierung zu binden.

Maschinelles Abtragen

Schleifen

Das An- und Abschleifen mit Scheiben- und Walzenschleifmaschinen eines Untergrundes kann Altuntergründen, wie Fliesen oder Beschichtungen eine bessere Griffigkeit verleihen. Ein Reinigungsschliff auch für neue Untergründe, besonders bei CA-Estrichen, ist immer vorzusehen. Der beim Schleifen anfallende Staub muss abgesaugt werden, da das abgetragene Material anderenfalls in die Poren des Untergrundes gedrückt wird. Dieser ungewollte und teilweise Porenverschluss würde eine Trennschicht für die nachfolgenden Spachtel-, Kleb- und sogar Grundierarbeiten bedeuten. Diese Mikroporen müssen für die Qualität des Haftverbundes verfügbar bleiben, damit der folgende Bodenaufbau funktionieren kann.

 

Fräsen

Für die Abtragung dickerer Schichten ist ein Abfräsen wirkungsvoller als ein Abschleifen. Es gibt unterschiedliche Frästechniken, die entweder mit waagerecht oder aber auch senkrecht rotierenden Frästellern arbeiten. Durch das Abfräsen erhält man einen sehr rauen, aber tragfähigen Untergrund. Dieser muss durch Absaugen, Grundieren und geeignete Spachtelarbeiten für die Weiterbearbeitung vorbereitet werden.

 

Kugelstrahlen

Als Alternative zum oben beschriebenen Fräsen kann ein Untergrund auch kugelgestrahlt werden. Durch das Kugelstrahlen erhält man einen sehr rauen aber tragfähigen Untergrund. Dieser muss durch Absaugen, Grundierung und geeignete Spachtelarbeiten für die Weiterbearbeitung vorbereitet werden. Der Boden ist dann entweder rutschfest oder gut aufnahmefähig für weitere Produkte.

 

Hochdruckwasserstrahlen

Höchstdruckwasserstrahler oder Wasserfräsen arbeiten bei einem Druck von 800 bis 2500 bar. Für einen oberflächigen Materialabtrag nutzen Höchstdruckwasserstrahler hingegen einen geringeren Druck. Bei diesem umweltfreundlichen Verfahren des Wasserstrahlens werden lose und nicht tragfähige Estrichbestandteile abgetragen, alte Beschichtungen und auch Staub entfernt. Es lässt sich damit eine hohe Flächenleistung erzielen.

Bei nicht ausreichender Abtragsleistung von Hochdruckstrahlern kommen Höchstdruckstrahler zum Einsatz, die mit kaltem oder auch heißem Wasser betrieben werden können. Damit können selbst hartnäckigste Verschmutzungen sowie Beschichtungen ohne jeden Zusatz von Reinigungsmitteln problemlos entfernt werden. Zusätzlich können bei Bedarf auch Strahlmittel zur Beseitigung besonders harter Stoffe eingesetzt werden.

Thermisches Abtragen durch Flammstrahlen

Nach DIN 32539 dient das Flammstrahlen dazu, mineralische Untergründe thermisch für die weitere Beschichtung vorzubereiten, zum Beispiel indem verölte Oberschichten abgetragen werden. Das Erhitzen des Traggrundes erfolgt nur in der oberen Zone, circa 1-7 mm tief. Grundsätzlich muss anschließend eine mechanische Bearbeitung erfolgen, beispielsweise durch Bürst-, Fräs- oder Strahlverfahren.

Chemische Grundreinigung

Lack- oder Farbreste können mit chemischen Verfahren abgebeizt werden. Das hierfür aufgetragene Lösungsmittel löst die Partikel vom Holz/Untergrund, so dass sie anschließend mit Wasser und Spachtel entfernt werden können. Bitte beachten Sie die Arbeitssicherheit, wenn Sie mit reizenden oder chemischen Stoffen arbeiten. Unter anderem Schutzkleidung (inklusive Atemschutz) sowie ein gut gelüfteter Raum sind notwendige Voraussetzungen für die sichere Anwendung chemischer Substanzen. Folgen Sie darüber hinaus unbedingt den Anweisungen des Lösungsmittelherstellers.

Ertüchtigen

Risssanierung

Generell gilt, dass selbst bei ordnungsgemäßer Ausführung Risse im Estrich entstehen können. Diese lassen jedoch nicht zwangsläufig auf einen Mangel schließen. Grundsätzlich müssen vorhandene Risse und auch angelegte Scheinfugen im Untergrund kraft- und formschlüssig geschlossen werden.

Feine Risse, die nur die Oberfläche (des Estrichs) erfassen, lassen sich nach gründlicher Reinigung und Grundierung mit Spachtelmassen flächig auffüllen. Durchgehende Risse hingegen dürfen nicht einfach überspachtelt werden, da sie grundsätzlich schadenswirksam sind.

Durch das Einbringen von Estrichklammern in die aufgeweiteten Risse und weitere, rechtwinklig zum Riss verlaufende Einschnitte, wird eine Verklammerung herbeigeführt. Nach dem Einschneiden im Abstand von ca. 25 cm um ca. 10 cm bis mindestens zur Hälfte der Schichtdicke und dem Absaugen werden die Metallklammern und alle Einschnitte gemeinsam mit einem fließfähigen Gießharz vergossen und die Oberfläche nach flächenbündigem Abziehen des noch frischen Materials im Überschuss abgesandet, um eine optimale Verzahnung zum weiteren Aufbau zu ermöglichen. Wichtig ist vor allem, dass das Reaktionsharz den Riss möglichst vollständig von der Oberseite bis zur Unterseite des Estrichs verfüllt. Eine erfolgreiche und fachgerechte Risssanierung ist mit einem niedrigviskosen Reaktionsharz möglich.

Vorsicht ist bei dem Vorhandensein einer Fußbodenheizung geboten, um nicht die Rohre zu beschädigen. Können die Ursachen für die ursprüngliche Rissbildung nicht beseitigt werden, besteht die Gefahr, dass diese Risse an derselben oder aber auch an anderer Stelle wieder auftreten.

Trocknung

Eine Trocknung der Baustoffe erfolgt im Regelfall durch normale Verdunstungsprozesse in Abhängigkeit zur relativen Luftfeuchtigkeit. Die Geschwindigkeit der Verdunstung hängt von der jeweiligen Schichtstärke und vom Bindemittel des Baustoffes ab. Dispersionsbaustoffe trocknen zum Beispiel ausschließlich, während Gipse und vor allem Zement zusätzlich durch Hydratation chemisch Wasser binden. Sogenannte selbsttrocknende Baustoffe binden das Wasser dauerhaft chemisch und ergeben damit erhöhte Sicherheiten sowie verkürzte Bauzeiten. Auch eine maschinelle Trocknung oder eine Beheizung auf der Baustelle kann die Trocknung beschleunigen.

Belegreifheizen

Ist nach Beendigung des Funktionsheizen die notwenige Restfeuchte des Estrichs noch nicht erreicht, kann das Belegreifheizen durchgeführt werden. Beginnend bei einer Vorlauftemperatur von ca. 25 °C wird die Temperatur in Tagesabständen um jeweils 10 °C erhöht bis die maximale Vorlauftemperatur von 55 °C erreicht ist. Wenn die geforderte Restfeuchte erreicht ist, wird die Temperatur im Anschluss wieder in Schritten von 10 °C bis auf ca. 25 °C gesenkt.

Zusatzverschraubung

Bei einer zu starken Verformung des Verlegeuntergrundes kann eine zusätzliche Verschraubung von Trockenbauelementen für die notwendige Steifigkeit sorgen, damit beispielsweise starre Systeme wie Fliesen und Platten (auch ohne Entkopplung) dauerhaft schadensfrei verlegt werden können. Diese qualitative Beurteilung und die Auslegung der Platten müssen durch einen erfahrenen Verarbeiter erfolgen.

Aufbauen

Korrosionsschutz/ Passivierung

Auf Betonbauteilen, bei denen freiliegende Armierungseisen sichtbar sind, muss nach der statischen Beurteilung der Resttragfähigkeit eine Passivierungs- und Schutzschicht aufgetragen werden, um verdeckte Korrosion zu verhindern, bevor eine zementäre Verspachtelung der Fehlstellen erfolgen kann. Die statisch relevante Betonsanierung wird nur von zertifizierten Betrieben durchgeführt. Bei der Betonsanierung mit statisch relevanten Anforderungen und einer ausreichenden Bewehrungssituation kann ARDEX B 16 eingesetzt werden.

Dampfdiffusionsverhinderung

Wenn Untergründe auf Zementbasis nicht ausreichend trocken sind, können durch den Einsatz wasserdampfdiffusionsbremsender Grundierungen nachfolgende Arbeitsschritte ermöglicht werden. Hier sind unbedingt die Herstellerangaben genau einzuhalten. Im Gegensatz zu diesen Dampfdiffusionsbremsen sind Dampfdiffusionssperren Schichten mit einem Sd-Wert von über 1500 m und gelten somit als völlig dampfdiffusionsdicht. Als solche Sperre kann beispielweise ein geeignetes zweikomponentiges Epoxidharz ARDEX EP 2000 gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit und Restfeuchten in zementären Systemen bis maximal 8 % eingesetzt werden. Dazu muss der Untergrund jedoch fest, trocken, tragfähig, trennmittelfrei und benetzungsfähig sein. Ein zweimaliger Auftrag mit abschließendem Absanden im Überschuss ist für diese Funktion unerlässlich.

Verfestigung der Oberfläche

Bei weniger tragfähigen Oberzonen einer Lastverteilschicht kann nach dem Entfernen loser Bestandteile eine nachträgliche Ertüchtigung des Untergrundes erreicht werden, indem eindringende reaktive Grundierungen (z.B. Reaktionsharz) zur Oberflächenverfestigung eingesetzt werden. Eine vollständige Absandung in die frische Masse stellt den weiteren Haftverbund nach der Erhärtung sicher.

Nivellierung/ Durchspachtelung

Mit dem Spachteln einer Fläche erstellt man, neben der Nivellierung unebener Flächen, einen gleichmäßigen saugfähigen Untergrund und damit eine widerstandsfähige Pufferschicht beim Einsatz von Dispersionsklebstoffen. Spachtelmassen werden immer im Verbund auf einen tragenden Untergrund aufgetragen.

Folgende Funktionen müssen Spachtelmassen bieten, damit die Rohbauoberfläche optimiert wird:

- Homogenisierung des Verlegeuntergrundes - Ebenheitsschaffung je nach Bodenbelagserfordernis - Gleichmäßige Saugfähigkeitsfunktion - Innere strukturelle Festigkeit des Materials - Haftfestigkeit auf den angrenzenden Kontaktflächen

Entkopplungsbahnen verlegen

Diese Art von Entkopplungssystem kann mittels geeigneten Fliesenklebern am Untergrund fixiert werden oder als lose Bahnen auf dem fertigen Untergrund ausgelegt werden. Ihre systembedingten Überlappungen sorgen für eine überbrückende, kraftschlüssige und sichere Funktion. Sie ermöglichen eine begrenzte, horizontale Relativbewegung des Belages vom jeweiligen Untergrund. Damit sorgen sie, wie ihr Name suggeriert, für eine Kraft-Entkopplung zweier starrer Systeme, um Schäden durch Risse, ungewünschte Verformungen und schädigende Hohllagen zu vermeiden. Darüber hinaus gibt es auch Systeme zur Abdichtung im Verbund oder zur kapillarpassiven Trennung im Außenbereich.